Kein Weg weit genug
[TW: Depression]
Ich laufe.
Gegen das Loch zwischen was ist und was müsste
Gegen die innere Feigheit und den äußeren Zwang
Gegen mich selbst und die Welt
Weil mir Stillstehen unerträglich und Verweilen unmöglich
Auf der Suche nach Liebe, nach einem Ziel
Auf der Suche nach Verlorenem
Bis sich Schweiß und Tränen mischen
Bis die Füße geschwollen, die Klamotten tonnenschwer
Endlos
Alleine
Ich lausche.
Dem Gesang der Vögel
Dem Summen der Insekten
Dem Rascheln der Blätter
Dem Wind im Laub
Dem Dröhnen meiner Ohren
Dem Schlag meines Herzens
Alles im Hier, alles im Jetzt
Nur ich bin an keinem Ort
Ruhelos
Ich spüre.
Harzigen Rauch in meiner Lunge
Sonne auf meiner Haut
Enge in meiner Brust
Und einen Schleier von Traurigkeit
Den ich zerreißen will und doch nicht packen kann
Verzweiflung über das Versäumte
Das Verlorene
Ich blicke.
Über den Weg, den ich gegangen bin
Ohne Wehmut, ohne Stolz
Mit Bedauern
Dass ich ihn nicht schätzen wusste, als er noch vor mir lag
Und voller Furcht
Auf den Weg, der noch vor mir liegt
Ich habe.
Nen krummen Rücken und kleinen Bauch
Die Hände voll zerbrochener Träume
Angst, etwas zu suchen, was ich längst verlor
Angst, zu sein, was niemand braucht
Dass meine Anwesenheit das Glück der anderen beschmutzt
Ich laufe.
Und laufe
Und laufe
Hinweis:
Wenn du selbst von Depressionen betroffen bist oder dich in dem Text wiedererkennst: Du bist nicht allein. Sprich mit jemandem! Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Mut und Stärke.
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 📞0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 erreichbar.