Vermächtnis eines Toren
Stets wandelbar ist diese Welt
Durch jedes Menschen Wort und Tat
Das hat man mir als Kind erzählt
Wann immer ich um Hilfe bat
Und also nahm ich junger Tor
Zu Herzen mir wohlfeilen Rat
Und mir die Welt zu bessern vor
Kaum, dass ich halb erwachsen war
Mein Umfeld nahm es mit Humor
Wuchs länger auch mein rotes Haar
Ich spuckte keinem in den Brei
Studierte Jura brav sechs Jahr'
Doch dann beinahe nebenbei
Es war an einem Donnerstag
Verstand ich: Recht macht niemand frei
Denn es hilft erst nach Blitzeinschlag
Verhindert wird dadurch kein Leid
Bist du erst tot, nützt keine Klag'
Richtiger schien's, mit meiner Zeit
Zu lehren, wie Gewitter flieh'n
Doch war die Welt noch nicht bereit
Mit mir am selben Strang zu zieh'n
Netze musst' ich flechten lernen
Im Kampf mit jenen, die stets schrien
Also griff ich nach den Sternen
Machte Moral zu meinem Ziel
Träumte laut vom Nicht-zu-fernen
So mancher hielt es für ein Spiel
Wenn ich an seinem Barte zog
Bis er von seinem Sockel fiel
Bald fürchtete mich, wer betrog
Fand den Wolf unter den Schafen
War Wahrheits Schwert, wenn einer log
Kläger nur, wollt' keinen strafen
Viel Freund' macht' ich mir damit nicht
Wohl mich viele Menschen trafen
Hielt kühles Herz für meine Pflicht
Dies schien nur ein geringer Preis
Ich führte doch die Welt ins Licht
Zumindest meinen kleinen Kreis
Endlich wollt' das Land sich ändern
Ich meinte: auch dank meines Fleiß'
Plötzlich Gast bei allen Sendern
Man fand meine Meinung wichtig
Schob mich langsam zu den Rändern
Warum? Das war für mich nichtig
Ich sprach doch seit Jahrzehnten gleich
Kein Wort neu, stets alles richtig
Am Tag danach da brach der Deich
Schaufeln sollt' ich laut bewerben
Sonst würden and're dabei reich
Helf' ich nicht, Gier grün zu färben
Weil ich Lügen nicht konnt' fressen
Wählt' ich lieber Hungers Sterben
Blieb Moral mir nur zum Essen
Trug den Kopf ich weiter oben
Soll mich die Geschichte messen
Torheit strafen, Edles loben
War stets nur meinen Träumen treu
Wenn die Kritiker auch toben
Nur eines bleibt, was ich bereu'
Dass weiter schwelt der Weltenbrand
Trotz meines Tuns zu wenig neu
Nun liegt's, mein Sohn, in deiner Hand
Stets wandelbar ist diese Welt
Bezwing, was mich noch übermannt